Reise des Sächsischen Ministers für Umwelt nach Ungarn voller Erfolg
Sachsens Umweltminister Frank Kupfer hat ein positives Fazit seiner Reise mit zwölf Unternehmen der Umweltbranche nach Ungarn gezogen. „Unsere Firmen konnten während der Reise eine ganze Reihe von Geschäften anbahnen. Das war unser Ziel. In Sachsen gibt es ausgewiesene Kompetenzen im Bereich innovativer Umwelttechnologien. Es ist gelungen, unsere Gesprächspartner davon zu überzeugen".
Die Unternehmen hatten sich insbesondere auf der Innovationskonferenz Umwelt am Dienstag in Budapest präsentiert. Auf dieser Veranstaltung des Ministeriums für Ländliche Entwicklung der Republik Ungarn hielt Staatsminister Frank Kupfer einen Eröffnungsvortrag. Teilnehmer der Konferenz waren neben den Unternehmen als Anbietern etwa 360 kommunale Projektträger aus Ungarn, die größtenteils bereits über Zusagen für eine Förderung aus EU-Mitteln für ihre Vorhaben verfügen und die nun auf der Suche nach den besten technologischen Lösungen sind.
Durch die stärkere Orientierung der ungarischen Regierung hin zur Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen, aber auch infolge der von der EU auferlegten Verpflichtungen, haben sächsische Unternehmen gute Chancen auf dem ungarischen Markt.
So plane die ungarische Regierung die Entwicklung eines neuen Systems für die selektive Erfassung und das Recycling von Siedlungsabfällen, da mit dem heute bestehenden System die Anforderungen der EU für kommunale Abfälle nicht erreicht werden können. Auch die ungarische Wasserwirtschaft stehe vor einer Umstrukturierung: Hochwasserschutz und -prävention sollen in die Zuständigkeit des Staates zurückgeführt werden. Der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieaufkommen Ungarns soll von derzeit 13 auf 20 Prozent im Jahr 2020 gesteigert werden. Sachsen hat dabei noch höhere Ziele. Hier soll der Anteil erneuerbarer Energien bis 2020 auf 24 Prozent steigen. Die energetische Sanierung von Gebäuden ist ein weiterer politischer Schwerpunkt Ungarns.
Im Ergebnis der Präsentationen der sächsischen Unternehmen und ihrer Gespräche mit potenziellen ungarischen Auftraggebern ergaben sich eine Reihe von vielversprechenden Ansätzen für Erst- und Folgeaufträge:
- In Kooperation mit der Firma C & E Consulting und Engineering GmbH Chemnitz wird die BioPlanta GmbH Leipzig wahrscheinlich 2011 die zweite Projektstufe einer Pflanzenkläranlage für gebrauchtes Thermalwasser in Polgár realisieren. Nachdem der erste Projektabschnitt abgeschlossen ist, wurde hierfür die Finanzierung beantragt.
- Die Firma WÄTAS Wärmetauscher Sachsen GmbH erhielt mehrere Anfragen zur Herstellung von Minikraftwerken und Anlagen zur Kraft-Wärme-Koppelung in Gebäuden.
- Ein weiteres sächsisches Unternehmen führt Gespräche mit der Stadt Budapest über die Bereitstellung einer Technologie zur Behandlung von Klärschlamm in Großkläranlagen und wird sich an einer entsprechenden öffentlichen Ausschreibung beteiligen.
- Die Firma LEHMANN Maschinenbau GmbH führt Gespräche über die Lieferung eines Verfahrens zur Ertragssteigerung von Biogasanlagen.
- Eine Firma der Solarbranche führt Verhandlungen über die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage in Ostungarn.
In Gesprächen mit dem Minister für Ländliche Entwicklung der neuen ungarischen Regierung, Dr. Sándor Fazekas, und Staatssekretär Dr. Zoltán Illés, der auch für Umweltschutz zuständig ist, wurden Bereiche sowie konkrete Vorhaben der sächsisch-ungarischen Zusammenarbeit in den Bereichen von Umwelt und Landwirtschaft vereinbart. Das ungarische Ministerium für Ländliche Entwicklung ist interessiert an:
- der Zusammenarbeit beim Hochwasserschutz, wo beide Seiten über reiche Erfahrungen verfügen. Gegenwärtig ist ein neuer Hochwasserschutz- und Wasserwirtschaftsplan für Ungarn in Arbeit;
- der Zusammenarbeit im Bereich der Abfallwirtschaft (an deutschen Erfahrungen im Hinblick auf selektive Abfallerfassung und -verarbeitung);
- der Fortführung der Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sowie mit der Sächsischen Landestiftung Natur und Umwelt auf der Grundlage der bestehenden Kooperationsvereinbarungen, insbesondere auch im Bereich der Agrarforschung, der Tierzucht und des Pflanzenanbaus sowie der Agrarbildung;
- der Ausweitung der Zusammenarbeit auf den Bereich des Weinanbaus;
- der Aufnahme deutschsprachiger ungarischer Experten und Praktikanten im Bereich der Wasserwirtschaft zu Studienaufenthalten in Sachsen;
- der Entsendung von unabhängigen sächsischen Experten nach Ungarn zur Mitwirkung an der Umsetzung von EU-Projekten (z. B. Expertise bei Lärmmessungen an Flughäfen).
Ungarn und Sachsen wollen sich gemeinsam dafür einsetzen, dass die EU nach dem Ende der laufenden Förderperiode im Jahr 2013 weiterhin Mittel für den Hochwasserschutz bereitstellt.
In Ungarn gibt es darüber hinaus Überlegungen, ein Bildungs- und Beratungszentrum für dezentrale abwassertechnische Anlagen nach dem Vorbild Sachsens einzurichten. Das Bildungs- und Demonstrationszentrum für dezentrale Abwasserbehandlung in Leipzig, das bereits seit 2002 arbeitet, hat dabei Hilfe angeboten. So sollen unter anderem auch Musteranlagen sächsischer Hersteller in Ungarn ausgestellt werden.