Realitätsnah, aber nicht diskriminierend berichten!
Die gut besuchte Tagung wurde von der deutschen Botschafterin Dorothee Janetzke-Wenzel und dem stellvertretenden Programmdirektor von MTV, Attila Várkonyi, eröffnet. Die deutsche Botschafterin wies darauf hin, dass die Vorstellungen vieler Deutscher und Ungarn über Roma weniger von persönlichen Erfahrungen als von bestimmten Vorstellungen, Klischees und Vorurteilen geprägt seien. Deshalb seien ein Nachdenken und eine Diskussion darüber wichtig, wie Medien über Roma berichten und welch prägenden Einfluss sie auf die öffentliche Wahrnehmung haben. Attila Várkonyi betonte, dass sich MTV um eine stärkere Präsenz von Roma-Themen auch im Hauptprogramm sowie von Roma bei der Aus- und Fortbildung bemühe.
Sinti und Roma am stärksten von Diskriminierung betroffen
Zur Lage der Roma und Sinti in der EU sprach die Roma-Expertin Dr. Eva Sobotka von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA). Sie führte aus, warum Untersuchungen der FRA zufolge Roma diejenige ethnische Minderheit ist, die in der EU am stärksten von Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen bedroht ist. Des weiteren berichtete sie über Initiativen der Agentur und nannte positive Beispiele der Integration in Tschechien und der Slowakei. Der Vorsitzende des Zentralrats deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sprach zum Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in den deutschen Medien, den rechtlichen Rahmenbedingungen sowie den Forderungen des Zentralrats. Dabei machte er deutlich, dass die diskriminierende Berichterstattung in Deutschland in den vergangenen Jahren abgenommen habe. Ein generelles Problem sei aber, dass Roma-Journalisten in den Redaktionen nach wie vor unterrepräsentiert seien. Szilvia Varró von der Wochenzeitschrift Magyar Narancs verwies auf die im Internet leider zunehmenden "Hetzportale gegen Zigeunerkriminalität".
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Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion "Wirksame Selbstkontrolle der Medien und Schutz von Minderheiten": Thomas Morawski, ARD-Studio Wien; Manfred Protze, Mitglied des Presserats; Szilvia Varró, Wochenzeitschrift Magyar Narancs; Rita Izsák, Kabinettsleiterin des Staatssekretariats für Gesellschaftliche Integration; Dr. János Havasi, Chefredakteur MTV (l-r)
(© Deutsche Botschaft Budapest)
Die beiden deutschen Journalisten Thomas Morawski, Leiter des ARD-Studios Südosteuropa in Wien, und Manfred Protze, Mitglied des Deutschen Presserats betonten die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Konsenses auch in Ungarn darüber, welche Form der Darstellung in den Medien als diskriminierend zu werten sei. Darauf basierend sollten ethische Regeln für Journalisten entwickelt werden. Dabei seien auch eine realitätsgerechte sowie eine nicht ethnien-, sondern schichtenspezifische Sichtweise wichtig.
Schritte in die richtige Richtung
Die Kabinettsleiterin des Staatssekretariats für gesellschaftliche Integration, Rita Izsák, machte deutlich, dass hier in erster Linie die Medien selbst gefordert seien. Dass es Schritte in die richtige Richtung gibt, erläuterte der Chefredakteur von MTV, Dr. János Havasi, der u.a. das bereits existierende Roma-Praktikantenprogramm bei MTV erwähnte. Zwei kurze Filmsequenzen von Katalin Bársony, Mundi Romani/Duna TV und von János Daróczi von MTV zeigten zwei gelungene Positivbeispiele der Berichterstattung über Roma.