"Diesseits und jenseits des Glashauses" Widerstand und Rettungsaktionen ungarischer Zionistinnen 1944-45 - Botschafterin Dorothee Janetzke-Wenzel besuchte Präsentation einer Interviewreihe im Holocaust-Gedenkzentrum am 23.11.2010

Am 23. November 2010 hatten das Holocaust-Gedenkzentrum (Budapest), Gedenkstätte Deutscher Widerstand (Berlin) sowie das Internationale Auschwitz Komitee (Berlin) zur Präsentation einer Interviewreihe geladen, die den Frauen im zionistischen Widerstand in Ungarn ein filmisches Denkmal setzt.

Um die Eindrücke und Erinnerungen weiblicher Zeitzeugen zu sammeln, war die Holocaust-Forscherin und Leiterin der Abteilung für kulturelle und alternative pädagogische Projekte des Gedenkzentrums, Frau Dr. Katalin Pécs-Pollner, mehrere Wochen lang durch Israel sowie die Palästinensischen Gebiete gereist. Dort spürte sie Frauen auf, die die deutsche Besatzung im so genannten „Glashaus“ erlebt hatten, einem Haus in der Vadász utca 29 in Budapest, aus dem heraus zahlreiche ungarische Juden mit gefälschten schweizerischen Papieren ausgestattet wurden. Dabei sprachen viele Zeitzeuginnen zum ersten Mal über ihre Erlebnisse und sicherten so kommenden Generationen Einblicke in die damaligen Situation.

Die Wichtigkeit dieser Weitergabe an die nächste Generation betonte Botschafterin Dorothee Janetzke-Wenzel auch in ihrem Grußwort: „Die Vergangenheitsbewältigung soll insbesondere dazu dienen, dass Bewusstsein von heutigen Generationen zu schärfen und dafür zu sorgen, dass jeder einzelne sich für die Wahrung von Grund- und Menschenrechten verantwortlich fühlt.“ Seiner historischen Verantwortung sei sich Deutschland sehr bewusst und betrachte daher die Aufarbeitung seiner Geschichte als „gesellschaftliche Verpflichtung.“

Nicht unerwähnt blieb in diesem Zusammenhang auch die jüngste Aufarbeitung der NS-Geschichte innerhalb des deutschen Auswärtigen Amtes selbst, welche die Botschafterin als „Mahnung und Aufforderung zugleich“ beschrieb, sich für eine friedliche und tolerante Zukunft einzusetzen.

Diese Aufforderung an Jugendliche betonte auch Ute Stiepani, welche die Gäste als stellvertretende Geschäftsführerin der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin begrüßte. Der Mut der interviewten Frauen wecke die Frage nach den eigentlichen Möglichkeiten, dem „Was kann ich tun?“ für heutige Generationen und ermutige diese so zu eigenem Handeln.

In seinem anschließenden Einführungsvortrag machte András Büchler die Zuhörer mit der Geschichte zionistischer Bewegungen in Ungarn vertraut und betonte vor allem deren ungarischen Ursprung, aber auch die Schwierigkeiten, die diese in der praktischen Gestaltung und Umsetzung in Ungarn erlebten.

Frau Dr. Pécsi-Pollner schließlich berichtete den Zuhörern über die Entstehung und Hintergründe des Projektes und zeigte erste Ausschnitte aus den Interviews, die ab sofort auch der Öffentlichkeit auf der Homepage des Holocaust-Gedenkzentrums  zur Verfügung gestellt werden und dort oder in der Bibliothek des Gedenkzentrums jederzeit abgerufen werden können.

"Diesseits und jenseits des Glashauses"