Wissenschaft

Wissenschaft, Forschung und Technologie


Ungarn und Deutschland sind durch ihre Geschichte und Kultur eng miteinander verbunden. Beide Länder arbeiten in nahezu allen Bereichen seit langer Zeit intensiv und vertrauensvoll zusammen. Dies gilt insbesondere für Bildung und Wissenschaft. Diese Beziehungen erfreuen sich dank des regen Studenten- und Wissenschaftleraustausches einer jahrhundertelangen Tradition, die bis ins 14-15. Jahrhundert zurückgeht. Das erste bilaterale wissenschaftliche Regierungsabkommen ließ jedoch bis 1987 auf sich warten, als das Regierungsabkommen über die „Zusammenarbeit in der wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung“ unterzeichnet wurde. Bis heute gilt es unverändert. Es wurde 2004 um ein weiteres Abkommen, der so genannten "Gemeinsame Erklärung zur Weiterentwicklung und Intensivierung der Zusammenarbeit in der wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung", ergänzt. Mit dieser zwischenstaatlichen Initiative trat die Zusammenarbeit beider Länder in der Forschung und Entwicklung in ein neues Stadium ein. Eingebettet in die europäische Innovationspolitik ist der Schwerpunkt der staatlich geförderten bilateralen FuE-Zusammenarbeit die Schaffung von deutsch-ungarischen Forschungsbasen, so genannten Wissenszentren, die an Universitäten, Hochschulen und anderen Forschungsstätten in Ungarn angesiedelt sein können. Um alle Akteure des Wissensdreiecks miteinzubeziehen, sollen diese Projekte neben den großen auch kleinen und mittleren Unternehmen die Teilnahme ermöglichen. Die ersten bilateralen Großprojekte auf dieser Basis entstanden im Bereich Computerwissenschaft, Biochemie und Pflanzengenetik.


Seit 1981 werden nach einem Vertrag zwischen der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Kooperationsprojekte mit Wissenschaftleraustausch gefördert. Zwischen DFG und dem Ungarischen Fonds für Wissenschaftliche Forschung (OTKA) besteht seit 2002 auch eine Vereinbarung über die Kooperation zwischen deutschen Graduiertenkollegs und ungarischen PhD-Schulen, die im Mai 2003 um die Durchführung gemeinsamer Projekte im Rahmen von EU-Forschungsprogrammen ergänzt wurde. Darüber hinaus sind zahlreiche deutsche und ungarische Hochschuleinrichtungen, Forschungsinstitute und Unternehmen an verschiedenen gemeinsamen Projekten beteiligt. Aktuelles Beispiel dafür ist die Gründung des Fraunhofer Projektzentrums für Produktionsmanagement und –informatik in Budapest zwischen dem Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und dem Forschungsinstitut für Rechentechnik und Automatisierung der MTA (SZTAKI). Weitere Instrumente zur Umsetzung gemeinsamer Ziele und zum Ausbau einer wettbewerbsfähigen Europäischen Forschungslandschaft bieten die EU-Forschungsrahmenprogramme, an denen Ungarn bereits seit Jahren gleichberechtigt mit anderen EU-Mitgliedsländern teilnimmt. Die Vernetzung deutscher und ungarischer Wissenschaftler wird sich durch die Ansiedlung des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT) 2010 in Budapest hoffentlich weiter intensivieren. Deutschlandwird beim EIT durch seine herausragende Teilnahme an den Arbeiten der bereits gestarteten Knowledge and Innovation Communities (KICs) im Bereich Klimaforschung, Forschung nachhaltiger Energiesysteme und Informations- und Kommunikationstechnologien besondere Bedeutung beigemessen, an die sich in Zukunft auch ungarische Einrichtungen anschließen möchten.


Gegenwärtig gibt es mehr als 400 Partnervereinbarungen zwischen deutschen und ungarischen Universitäten und Hochschulen. Eckpfeiler der wissenschaftlichen Kooperation sind die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und unabhängige Stiftungen wie z.B. die Robert-Bosch-Stiftung. Der hohe Anteil ungarischer Studenten, Professoren und Wissenschaftlern an deutschen Stipendien und Forschungspreisen deutet auch auf die traditionell gute Zusammenarbeit und auf die gegenseitige Anerkennung der Bildungs- und Forschungstätigkeit in Deutschland und Ungarn hin. An der Budapester Universität für Technik und Wirtschaftswissenschaft und an der Budapester Corvinus Universität werden sogar zweisprachige Studiengänge angeboten, die mit einem Doppeldiplom abgeschlossen werden können. Intensive bilaterale Kooperationen zu Deutschland pflegen noch beispielsweise die Universität Szeged, Universität Debrecen und die Universität Pécs sowie die Semmelweis Universität. Beleg der ausgezeichneten Wissenschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Ungarn ist die deutschsprachige Andrássy Gyula Universität in Budapest, an der Ungarn, Österreich, die Schweiz, Deutschland sowie Baden-Württemberg und Bayern beteiligt sind. Das neu gegründete Donau-Institut für interdisziplinäre Forschung an dieser Universität dient als Denkfabrik für die Ausgestaltung der EU-Donauraumstrategie.


Auch deutsche Firmen wie z.B. Siemens, Audi, Knorr-Bremse, Bosch, ZF Friedrichshafen greifen gerne auf die traditionell gute Ausbildung ungarischer Fachleute zurück und suchen nach Kooperation insbesondere im Bereich der Ingenieurwissenschaften (vor allem Maschinenbau, Automatisierung), Informatik und Naturwissenschaften.