Informationen zur Geschichte, Planung und Ausführung

Das neue Kanzleigebäude der Deutschen Botschaft in der Úri utca 64-66 liegt inmitten des von der UNESCO 1987 zum Weltkulturerbe erklärten Burgberges. Es handelt es sich um ein Grundstück und ein Gebäude mit einer langen und wechselvollen Geschichte.
Die erste Siedlung der Magyaren wurde 1241 während der Mongoleninvasion zerstört. Nach dem Abzug der Mongolen ließ König Béla IV. den Burghügel mit einer Mauer umgeben und nach seinen Vorgaben zu einer Festung ausbauen.
Dieses Gebäude in der Úri utca wurde erstmals urkundlich 1490 erwähnt und während der Türkenkriege 1526 - 1541 zerstört. Es blieben ungefähr die Hälfte der Grundstücksmauern und die Keller des früheren Gebäudes erhalten.

Die ersten Gebäudebesitzer waren hochrangige Offiziere und wohlhabende Bürger. Aus dieser Zeit stammt der heutige ungarische Straßenname Úri utca, übersetzt Herrengasse.
Das heute zu sehende einheitliche barocke Stadtbild des Burgviertels entstand bis Mitte des 18. Jahrhunderts.
Nachgewiesen ist dann der Erwerb des Areals durch den Benediktiner-Orden im Jahr 1715 mit der Zusammenlegung zweier Grundstücke. Über 200 Jahre blieb das Anwesen im Besitz der Mönche, bevor es ab 1919 mehrfach den Besitzer wechselte. Zuerst erwarb es eine Planungs- und Verkaufsaktiengesellschaft und dann im Jahr 1922 ein Dr. Oszkar Deutsch. Und schließlich kaufte die deutsche Reichsregierung das Gebäude im Mai 1936 zu einem Preis von 650.000 Pengö (damals über 170.000 US-Dollar) und baute es zu einer Gesandtschaft um. Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt und die Dachkonstruktion völlig zerstört.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde 1952 auch dieses Gebäude verstaatlicht und nach Umbauten erst vom Landwirtschaftsamt und zuletzt vom Hoch- und Tiefbauamt der Stadt Budapest genutzt.
Nach der Rückübereignung des bebauten Grundstückes Úri utca 64-66 an die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1993 wurden ab 1994 zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, u.a. eine wissenschaftliche Denkmaldokumentation, Bestandsaufnahmen und verschiedene andere Gutachten bzw. Überprüfungen über den Zustand des Gebäudes.
Das Gebäude wurde zwischenzeitlich teilweise vom Goethe-Institut für die Verwaltung, Sprachunterricht und verschiedene Veranstaltungen genutzt.

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Nach der grundsätzlichen Entscheidung des Bauherrn Bundesrepublik Deutschland zur Herrichtung des ehemaligen Gesandtschaftgebäudes zu einer Botschaftskanzlei wurde mit der Genehmigungsplanung die notwendige Baugenehmigung 1998 vom Nationalen Denkmalschutzamt erteilt.
Neben den ersten Bauarbeiten wurden durch das Historische Museum im Untergeschossbereich des Gebäudes etappenweise sehr umfangreiche archäologische Ausgrabungen durchgeführt, die mit den notwendigen Folgearbeiten im Dezember 1999 abgeschlossen werden konnten.
Das Historische Museum konnte zahlreiche wertvolle Funde, vor allem aus der Türkenzeit, bergen.
Danach wurde das gesamte Grundstück mit einem Beschluss des Ministeriums für das Kulturelle Erbe vom 15. Februar 2000 zu einem geschützten Gebiet mit historisch-archäologischem Wert erklärt.
Für diese komplexe Herrichtungsmaßnahme wurde die Entwurfsplanung vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung vorgenommen. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen und seine nachgeordnete Behörde, das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, stehen als staatliche Bauherrenvertreter für einen hohen Qualitätsstandard ein und garantieren - was besonders wichtig bei Auslandsbauten des Bundes ist - ein großes Maß an Baukultur und, wie in Budapest, einen sorgsamen Umgang mit historischer Bausubstanz und denkmalpflegerischen Ansprüchen. Als Generalplaner ist das Architektenbüro Kersten + Martinoff aus Braunschweig für die Genehmigungs- und Ausführungsplanung sowie Bauüberwachung verantwortlich, örtlicher Kontaktarchitekt ist das Büro Bánáti, Hartvig, Matus aus Budapest.
Über eine Generalunternehmerausschreibung wurde Ende 1998 der Auftrag zur Herrichtung der ehemaligen Gesandtschaft an einen deutschen Generalunternehmer erteilt.

Diese Herrichtungsmaßnahme wurde durch den deutschen Generalunternehmer MBN Berliner Bau GmbH mit ungarischen, österreichischen und deutschen Nachunternehmern ausgeführt. Anfang November 2001 erfolgte die Fertigstellung der Baumaßnahme und die Übergabe an die Deutsche Botschaft.
Das viergeschossige Haus gliedert sich um einen allseitig umschlossenen Innenhof, der über eine großzügige Tordurchfahrt von der Úri utca erschlossen wird und über den der Haupteingang der Kanzlei zu erreichen ist. Der Eingang zur Pass- und Visastelle erfolgt über die südwestliche Gebäudeseite der Lant utca.
Das mehrfach umgebaute alte Gebäude befand sich vor Beginn der Ausführung in einem zum Teil sehr schlechten Zustand. Die gesamte Dachkonstruktion musste vollständig instand gesetzt werden. Zum Teil mussten Geschossdecken sowie alle Treppenhäuser aus Konstruktions- und funktionalen Gründen erneuert werden. Weiterhin war der Einbau eines Aufzuges erforderlich. Die gesamte Betriebstechnik wurde nach dem heutigen Stand der Technik erneuert.

Das Gebäude gehört zum denkmalgeschützten Bereich des Burgberges und ist im Baudenkmalverzeichnis von 1990 "als Gebäude mit denkmalartigem Charakter" erfasst. Unmittelbar unter Denkmalschutz stehen aber nur die gotischen Sitznischen in der Tordurchfahrt und die 2 mittelalterlichen Säulenrelikte im nördlichen Gebäudeflügel.
Die Grundform und das äußere historische Erscheinungsbild des Gebäudes ist im wesentlichen unverändert geblieben. Hierfür wurden die Dachhaut, die Fassade, die Fenster, die Tore und Türen einschließlich der Halterungen für die Fahnen und Laternen detailgetreu saniert und wiederhergestellt. Auch die weitere Gestaltung der Innenbereiche orientiert sich mit einer adäquaten Formensprache an dem Charakter des Gebäudes.